Pharmaceutical 3D Printing wird seit Jahren intensiv erforscht. Doch wann wird aus Forschung tatsächlich Versorgung?
Ein aktuelles Beispiel aus dem Hospital General Universitario Doctor Balmis in Alicante zeigt, wie dieser Schritt aussehen kann. Die dortige Krankenhausapotheke setzte 3D Printing zur Herstellung von Baclofen-Zubereitungen für neurologische Patienten mit Schluckbeschwerden ein.
Ausgangspunkt ist der Patient – nicht der Drucker
Gerade bei neurologischen Erkrankungen können Schluckbeschwerden die Einnahme konventioneller Tabletten erschweren. Die Krankenhausapotheke stellte deshalb Baclofen als sogenannte Troches her – eine orale Arzneiform, die für diese Patienten besser geeignet sein kann.
Interessant ist: Solche Zubereitungen können auch konventionell in der Krankenhausapotheke hergestellt werden. Untersucht wurde deshalb, ob 3D Printing diesen bestehenden Prozess flexibler, präziser und stärker automatisiert gestalten kann.
Drei Dosierungen – ein Herstellungsprozess
Mit dem 3D-Druckverfahren wurden 5, 10 und 20 mg Baclofen hergestellt. Die gewünschte Dosis wird digital gesteuert, sodass unterschiedliche Dosierungen mit demselben Herstellungsprozess produziert werden können.
Gleichzeitig wird die Qualitätskontrolle Teil des Prozesses: Die einzelnen Einheiten wurden automatisch gewogen und relevante Produktionsparameter überwacht. Die 3D-gedruckten Zubereitungen erfüllten die untersuchten Anforderungen an die Gleichförmigkeit; bei der manuellen Herstellung zeigten sich insbesondere bei der niedrigsten Dosierung größere Abweichungen.
Von der Forschung in die Versorgung
Besonders spannend: Die Arbeit endete nicht im Labor. Das Verfahren wurde in die Krankenhausapotheke übertragen, Mitarbeitende wurden geschult und Arbeitsanweisungen etabliert. Anschließend wurden die hergestellten Arzneimittel tatsächlich entsprechend ärztlicher Verordnung an vier Patienten abgegeben.
Damit wird aus einer Technologie ein konkreter Versorgungsprozess:
Patientenbedarf → Verordnung → Herstellung → Qualitätskontrolle → Abgabe → Patient
Genau solche Beispiele stehen im Mittelpunkt von 3PRIMED. Nicht allein die Frage, was sich 3D-drucken lässt, sondern wo Pharmaceutical 3D Printing einen konkreten Mehrwert für Patienten und Apotheken schaffen kann.
Am 1. Oktober 2026 in Berlin wollen wir diese Entwicklung gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Krankenhausapotheken, Versorgung und Industrie diskutieren.
